Sonntag, 28. Oktober 2007

Eishockey und viel fallendes Wasser

Abend liebe Gemeinde,
Ich bin froh mal wieder von einem sehr schönen Wochenende berichten zu können. Obwohl wenig geplant war, standen dann doch ein Eishockey-Spiel (Freitag) und ein Trip in den Wells Gray Park (Samstag und Sonntag) an.
Am Freitag haben wir uns das Spiel der Kamloops Blazers vs. Kelowna Rockets angesehen. Eine Art Lokalderby in einer Liga, die viele sehr junge Spieler beheimatet und als Nachwuchsschmiede für die mächtige NHL gilt. Dementsprechend war das Niveau recht gut und es war allein schon eindrucksvoll wie schnell und gewand sich die Schiris auf dem Eis bewegen. Einen erhofften Spieler-Fight gabs zwar nicht, dafür einen öffentlichen Heiratsantrag in einer Drittel-Pause (ziemlich daneben oder? die arme Frau, konnte ja eigentlich nur zustimmen :-). Endergebnis: 5:3 für Kamloops. Eishockey ist auf jeden Fall mal um einiges interessanter als Football oder Baseball.
Am Samstag gings dann halb 8 mit dem Österreicher Tom (mal wieder in einem Mietauto.. Autos mieten ist vergleichsweise günstig, vor allem aber ziemlich unerläßlich im riesigen B.C.) los zum Wells Gray Park (ein Provinzpark 1,5h Stunden nördlich von Kamloops.. damit eigentlich sehr nah und quasi nicht mal ein Katzensprung). Der Geography Club der Uni hat im Park ein "Research Center" (ein ziemlich rustikaler Schlafsaal mit ca. 5 Dreifachstockbetten, eine Küchenhütte und zwei plumpsende Toilettenhäuserl) und war dieses Wochenende zum Wandern und Abhängen vor Ort. Es waren also ca. 12 Kanadier plus Tom und ich dort. Für $15 war Übernachten und alle Mahlzeiten abgedeckt (ein guter Deal, denn die Jungs und Mädels haben echt leckere Sachen zubereitet). Das "Anwesen" befindet sich mitten in der Wildnis und verfügt über kein fließendes Wasser. Der riesige Park sollte eigentlich ein Mekka für Wasserfall-Liebhaber sein, denn davon gibt es einige eindrucksvolle Exemplare. So gabs dann auf kurzen Wanderungen ziemlich verschiedenartige Wasserfälle, wilden Urwald und eine blubbernde Mineralquelle (die Kanadier haben das kohlensäurehaltige, leicht gebliche, salzige Wässerchen direkt getrunken und in Flaschen abgefüllt.. Kostprobe ergab: es schmeckte absolut wie Wasser mit einer aufgelösten Brausetablette) zu sehen. All dies gewürzt mit spannenden Ausführungen der kanadischen, angehenden Geographen und Biologen über Vulkantätigkeiten, etc. Eigentlich hätte in diese vernebelte, feuchte Märchenwelt perfekt ein Elch gepasst (mich frustrieren solche Aufzählungen ja schon langsam aber der Park beheimatet: Schwarz- und Grizzlybären, Wölfe, Puma, Luchs, Elch, Hirsch, usw.). Aber neben den üblichen Informationen (zu all den mächtigen, ansäßigen Tieren), viel Elchkacke und einem schönen Specht gabs leider nix zu sehen. Trotzdem mal wieder herrlich. Während der Wanderung wurde uns berichtet, dass ein paar der Jungs nicht mit wandern, um im Lager eine "Sweat Lodge" zu bauen. Bitte? Eine Art Sauna? Wie soll das gebaut werden? Das ist kanadische "Tradition": zwei Zeltplanen geschickt an einem Baumstamm angebracht, ergaben eine Art kleines und "luftdichtes" Zelt. Darin dann heiße Steine aus dem Lagerfeuer und darauf ein eigens angesetzter Kiefernnadel-Sud. Natürlich habe ich dieses abgefahrene Bauwerk getestet. Da es aber mittlerweile zu Schneien begonnen hatte, wurde es im Inneren statt richtig heiß nur richtig warm (also auch komplett bekleidet genutzt). Vor allem aber war es total dampfig und hat nadelig gerochen. Haha, eine ziemlich abgefahrene Sache. Auf jeden Fall cool mit wie wenig Material man sich so ein Schwitzkämmerchen bauen kann. Abends ging es dann ziemlich lustig zu. Da kommenden Mittwoch Halloween ist (und Vor-feiern ist hier ziemlich üblich, auch bei Geburtstagen) war kostümpflicht verkündet worden. Als absolute Verkleidungsmuffel haben wir das allerdings ignoriert und mussten uns dann mit geliehenen Perücken und Lippenstift (das waren alles eher keine gruseligen Kostüme, also eher wie Fasching und so gab es Esel, Queen Mum, Power Rangers, etc. zu sehen) dem Zwang beugen. Die Kanadier machen es einem auf jeden Fall sehr leicht, sich zu wohlzufühlen und Spaß zu haben auch wenn man eigentlich keinen kennt. Zwei aus dem Nichts erschienene Gitarrenrocker haben dann der Runde am Lagerfeuer mächtig eingeheizt. Die ganzen Kanadier haben geschrien und gesungen, dass sich alle Bären weit entfernt haben sollten. Am Sonntag gabs dann nochmal zwei kurze Wanderungen (wieder Wasserfälle im tiefen, unglaublich grünen, gruseligen Wald). Dabei haben es sich drei der kanadischen Kollegen nicht nehmen lassen, einen "Polar Bear Swim" hinzulegen, um den Kater ganz schnell und brutal loszuwerden. Die sind dann also im Becken des einen Wasserfalls schwimmen gegangen, Lufttemperatur 3°C! Und während ich mit Jacke, Mütze und Handschuhen unterwegs war, sind die drei Badenden danach einfach mal in Unterwäsche die 30min zu den Autos zurückgewandert (Wahnsinn, ich weiß nicht was die für ein Kälteempfinden und Immunsystem haben). Danach gings dann also zurück nach Kamloops. Fazit: Wieder mal ein prächtiger Ausritt und vor allem abgefahrene, wertvolle Eindrücke von wieder mal superfreundlichen, kanadischen Studenten. Wie immer steht nun ein pralle Woche Uni an. Das kommende Wochenende werde ich höchstwahrscheinlich komplett hier verbringen, um mal wieder den Geldbeutel zu schonen. Allerdings ist ja Mittwoch Halloween (was manche Kanadier auf Nachfrage wichtiger finden als Weihnachten) und dem kann man sich vorraussichtlich kaum entziehen. Ich melde mich, bleibt gesund und sauber!

3 Kommentare:

Rit-Show hat gesagt…

da spielt der dulle im blauen eishockeyteam mit. startnummer 15, linkes bild. sauber!
an dieser stelle einen ehrlichen gruss an martin schulz klasse 3b.

Stephan Witter hat gesagt…

sehr gut erkannt rit-show!! als erster solltest du dafür eigentlich eine belohnung erhalten..mach dir vielleicht einfach ne kanne auf! ich schließ mich an: grüße an unsern dulli..wiederhören

Anonym hat gesagt…

Wow, was für pics.... Mächtig, gewaltig Egon! Hang loose...
Zorro