Nachdem die Anreise nach Calgary mit dem Greyhound und langem Fussmarsch geschafft war (mein Zustand bei Ankunft war durch die kranken Tage davor ziemlich desolat), habe ich mich mit dem Vaddi und den deutschen Junioren-Rennrodlern vereint und bin dort mit im Hotel eingezogen. Das grosse Einzelzimmer und allem voran die fantastische Rundumverpflegung waren einfach Balsam für die Reiseseele und vor allem meiner Genesung zuträglich. Nach drei Tagen Durchfall und kaum Essen war ich hungrig wie ein Bär vorm Winterschlaf. Die Busfahrt selbst war recht interessant, da sie zum einen Sonnenaufgang in den Rockies inne hatte und vor allem der Wechsel von schroffem, felsigen Gebirge in absolut flache Prärie krass ist.

Östlich der Rockies (Provinz Alberta) kommt dann eben einfach mal 6-7 Autostunden flaches Cowboy-Land. Calgary selbst besteht aus endlosen Vororten und einer Downtown mit Skyline, die irgendwie deplaziert wirkt in diesem flachen Landstrich. Vom Calgary Tower bietet sich allerdings ein herrlicher Rundblick und die "Wand" der Rockies

sieht beeindruckend aus.

In den folgenden Tagen hab ich mich einfach dem Tagesablauf des Teams angepasst und bin damit auch zum Canada Olympic Park (Schauplatz der Winterspiele von '88) gefahren. Dort fanden Training und Weltcup der Rodeljunioren statt.
Der Park selbst ist echt abgefahren: ein relativ kleiner Hügel am Rande Calgary's aber vollgepackt mit allem was man sich vorstellen kann: Skisprungschanzen, Rodel/Bobbahn, ne Buckelpiste, Langlaufloipen, Freestyle Park,

Halfpipe. Dort blicken die Tag und Nacht fahrenden Wintersportler dann auf die fast schneelose, ebene Vorortwüste Calgary's. Ziemlich strange

. Beim Training der Jungs und Mädels hab ich versucht mich ein wenig als Autofahrer und durch Videoaufnahmen nützlich zu machen. Ansonsten waren die Tage allerdings eher revitalisierender Urlaub und vor allem interessanter Einblick in den Weltcup-Alltag und damit in die Arbeit des Vaddis. Dass die deutschen Sportler so ziemlich alles gewonnen haben, versteht sich ja im Rodelsport mittlerweile fast schon von selbst (siehe Rodel-WM in Oberhof!). Sind aber auch alles ehrgeizige, offenbar vernünftige junge Menschen. Tiermäßig gabs zwei schöne, große Kojoten und einige Wapiti-Hirsche auf Hin- und Rückfahrt. Wettermäßig waren es allesamt sonnige, klare, blauhimmlige Tage mit Temperaturen um die -10° bis -20°C.

Alles in Allem reiht sich der Ausflug nach Calgary nahtlos in all die anderen herrlichen Trips ein und bildet den östlichen Wendepunkt meiner Reise. Ab hier gehts nun per Bus nur noch gen Westen und dann mit dem Flieger gaanz weit in den Osten. Und das Beste: Quasi nebenbei bin ich wieder gesundet und fühle mich pudelwohl für die Hänge von Kicking Horse.
Bis dann, euer Widdow.