Zurück in Golden, um das Kicking Horse abzureiten. Allerdings muss ich vorab noch die Busfahrt erwähnen. Zwischenstop war auch das Städtchen Banff im dazugehörigen Nationalpark. Leute steigen aus und weiter gings. Ca. 40 Minuten nach Banff (wie so oft in Kanada: nichts vorhanden dazwischen, absolute Wildnis) geht eine Frau zum Busfahrer und meint sie hätte vergessen in Banff auszusteigen. Schön doof dacht ich, doch der Busfahrer ließ sich nicht lumpen. Stoppt den Bus (plus Postanhänger) auf der Autobahn, wendet langwierig über alle Spuren und fährt zurück nach Banff. ??! Der ganze Bus hat aufgeregt reagiert ("Where are we going?" "What are you doin?"). Diese Frau hat uns Alle also ca. 90 Minuten gekostet und der Busfahrer war glaub ich nicht ganz dicht. Naja, am Ende gesund im noch kälteren Golden angekommen. Ich kürze ein wenig: die restlichen drei Skitage in Kicking Horse waren gigantisch. Den ersten hab ich allein verbracht bis ich zufällig einen Kumpel (Matt) meiner Behausung (Kumpel vom Kanadier Ryan) getroffen hab. Ins Skigebiet bin ich per Anhalter gekommen und das absolut erste Auto was meinen Daumen gesehen hat, hat mich auch aufgepickt. Der Hund des freundlichen Menschen hat mich dann wachgeleckt -Gesicht, Handschuhe, einfach Alles- :). Das Fahren per Anhalter ins Skigebiet ist absolut üblich und wirklich Jeder der kann, nimmt mit; sehr angenehm. Die beiden Kanadier Matt und Ryan haben mir das Gebiet ausgiebig gezeigt und mächtig gefordert, da sie auch im schwierigsten Gelände mächtig Tempo vorgelegt haben. Dabei habe ich gelernt, dass die Locals absolut allergisch reagieren wenn Guys die schmalen und steilen Rinnen/Chutes/Colouirs seitlich runterrutschen und damit schneemäßig die ganze Rinne zerstören. Das Ganze muss in Fallrichtung und zügig befahren werden und so hab ichs natürlich gemacht. An ein paar kleinere Cliffs hab ich mich auch gewagt. Insgesamt muss ich sagen, dass ich wirklich noch kein krasseres Skigebiet gesehen hab. Das ganze Gelände ist unglaublich steil, rauh und ungezähmt. Da kann man sich selbst als sauguter Wintersportler noch das Fürchten lehren (und all das innerhalb des Skigebiets und damit vermeintlich lawinensicher). Auch sonst lebt und atmet der ganze Ort Golden das Skigebiet. Fast alle Menschen fahren oder arbeiten dort und so drehen sich die meisten aufgeschnappten Gespräche oder der Smalltalk der Kassiererin im Supermarkt um Skifahren oder Schneebedingungen. Es herrscht also ein sehr sportlicher Spirit in Golden und das auf einem Niveau von dem sich einige Alpenorte was Abschneiden sollten. Apres-Ski gehört hier nicht zum eigentlichen Skitag, dafür stürzen sich Jung und Alt, Mann wie Frau die abenteuerlichen Wände und Wälder hinab (und wenn man dann bei nem netten Gespräch in der Gondel mit Menschen die altersmäßig die eigenen Eltern sein könnten noch ein Raketchen geschenkt bekommt ("We got so much of it in BC [...] It's good for your skiing flow!") wundert man sich nur noch). Gefällt mir sehr gut, Daumen hoch für Kicking Horse! Ein bisschen unangenehm war die extreme Kälte der letzten Tage. Temperaturen zwischen -15° und -28°C machen das Skifahren zu einer abenteuerlichen Expedition. Abhilfe schaffen da nur Wärmekisschen in den Handschuhen und mächtige, schweißtreibende Wanderungen um weiteres Terrain zu erreichen. Trotz allem hat mir am ersten Tag (ohne Gesichtsmaske) die Kälte in die Nase gebissen ("Frostbite" ist das Sprichwort..). Meine rechte, kleine Fingerspitze ist weiterhin taub und die Nasenspitze hat sich leicht verfärbt. Eieiei, ich hoff ich bring neben meinem ganzen Gepäck auch alle Gliedmaßen mit nach Hause ;-). Aber ohne Bedeckung werden Hautstellen auf einer Abfahrt innerhalb von 5 Minuten taub. Die Atemluft gefriert sofort im Mustache und Rotz verwandelt sich in eisige Stalaktiten unter dem Nasenloch. Leider hat das auch dazu geführt, dass keine Bilder entstanden sind. Das wurmt mich ein bissl denn es war bestes Wetter und spektakuläre Kulisse vorhanden. Keine Sorge, halb so wild mit der Kälte und es soll deutlich milder werden in den kommenden Tagen. Sitz grad im Greyhound-Bus nach Revelstoke und diese Fahrt scheint vorfallsfrei zu verlaufen. Allerdings hat der Fahrer angesagt, dass er aufgrund des nicht vorhandenen Gegenverkehrs von einer Sperrung des Highways ausgeht. Aber erst nach meinen Reiseziel! (..3 Stunden später..) Bin erfolgreich in Revelstoke eingetroffen. Als Workout habe ich heute mal wieder den riesigen Skisack über zugeschneite Strassen zum kleinen Hostel gezerrt. Hier hab ich nun ein Bett bezogen und ich teile den Raum mit 2 Mädels aus Norwegen, Dänemark und einem älteren Zahnarzt aus Calgary. Es liegt massig Schnee hier und es schneit zur Zeit wie eine ganze Armee Frau Hollen. Die Vorhersage bis Sonntag lautet klipp und klar: Schnee. Es ist 2200 Uhr, gute Nacht! Lookin forward to hit Revelstoke Mountain tomorrow...Ihr hört von mir.
...13 days left...widdow
Samstag, 2. Februar 2008
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