Dienstag, 11. September 2007

Cactus-Jack

Nach einigen kleinen Unternehmungen im Campus- und Wohnheimsumfeld, war es gestern (Samstag, 8.9.) mal an der Zeit „richtig“ wegzugehen und mich dazu in die Downtown Kamloops aufzumachen. In Stimmung gebracht (es kam wieder mal „Wildcat Strong“-Bier zum Einsatz, das hat 6.1% und nen Puma auf der Dose) habe ich mich dafür erstens mit meinen Wohnungsgenossen und später mit Tom, ein witziger Österreicher und einem Isländer (Name leider schon wieder entfallen). Diese Phase des Abends war schon recht lustig und vor allem interessant. Denn Themen waren beispielsweise die Lebensweise von Mormonen oder eben auch das Ausheben von Gräbern in Island (der Isländer hat schon mehrere Jahre auf nem Friedhof gearbeitet, 6 feet deep ist das Stichwort). Der echte Kulturschock stand aber noch an: Wir sind dann in die Stadt gefahren und haben das/den „Cactus-Jack“ betreten. Gut, solche Läden mit einer Art Cowboy/Rodeo-Aufmachung sieht man in Deutschland ja vielleicht noch (und würde sie sicherlich links liegen lassen). Aber echt authentisch wurde das ganze dann erst durch die Musik, denn es lief tatsächlich zu vielleicht 50% Country und den zahlreich vorhandenen, echten nun ja, Cowboys (wie aus dem Bilderbuch: Hüte, karierte Hemden, Jeans, mächtige Gürtelschnallen..echt traumhaft!). Also die ersten 20 Minuten stand ich erstmal nur da und hab gedacht ich spinne. Zudem war der Schuppen altersmäßig total durchmischt und es haben auch ältere Menschen in guter alter Pärchen-Manier getanzt. Trotz allem ging es durchaus heiß her. Abgewechselt haben sich die Country-Knaller übrigens mit aktueller Chart-Musik. Naja, irgendwann war meine Zunge dann durch die ganzen „Wildcats“ locker genug, um bei einem Toilettengang mal einen solchen Cowboy anzusprechen. Daraus hat sich ein echtes Spitzengespräch mit Rob(30) über alles Mögliche entwickelt (der übrigens meinte, dass hier im Vergleich zu Calgary sehr wenige Cowboys unterwegs wären). Jedenfalls war Rob superfreundlich (einmal mehr: wie wirklich fast jeder hier), kennt das Umland „like nobody else in this club“ und ist ein passionierter Angler. Als ich dann meinte, dass ich gerne mal Angeln probieren würde, war Cowboy-Rob sofort mit seiner Telefonnummer zur Stelle und hat mich zu einem Angelausflug eingeladen (der war dermaßen freundlich, dass ich zwischenzeitlich schon dachte er wär evtl. schwul aber seiner Freundin hat er mich dann auch noch vorgestellt, nachdem er mir ein Bier spendiert hat!). Naja mal gucken, vielleicht kann ich also demnächst mal Jagd auf die riesigen „Rainbow Trouts“ (Regenbogenforellen) machen, die es hier in den umliegenden Seen geben soll. Da ich irgendwann auch noch gesund in meinem Bett gelandet bin, muss man den Abend als absoluten Erfolg und echten Ausflug in die kanadische Kultur verbuchen! Ansonsten steht heut leider schon echt viel Arbeit für die Uni an und ich hab noch die Scherben des gestrigen Abends im Kopf. Ein typischer Sonntag eben, ganz wie in Deutschland. Eine hier aufgeschnappte, nette Vokabel will ich an dieser Stelle unbedingt noch loswerden: "idiot string". Das ist die Schnur an der man Handschuhe befestigt, um sie Kindern durch die Jacke zu ziehen!

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